{"id":247,"date":"2026-08-13T09:00:00","date_gmt":"2026-08-13T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/?p=247"},"modified":"2026-07-27T17:48:07","modified_gmt":"2026-07-27T15:48:07","slug":"low-code-mittlere-stufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/fachliches\/low-code-mittlere-stufe\/","title":{"rendered":"Die riskanteste Stufe von Low-Code ist die mittlere"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Low-Code-Plattformen versprechen, dass Menschen ohne Programmierhintergrund eigene Anwendungen bauen k\u00f6nnen. Das funktioniert erstaunlich oft. Interessant wird es an der Stelle, an der es nicht mehr rein deklarativ geht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcblicherweise wird hier bin\u00e4r gedacht: Entweder jemand schreibt Code oder eben nicht. Beim Durcharbeiten des Themas bin ich zu dem Schluss gekommen, dass diese Grenze an der falschen Stelle liegt. Sinnvoller sind drei Stufen: rein deklarativ zusammenklicken; fremden Code einbinden, ohne ihn zu verstehen; eigenen Code schreiben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte Stufe ist die anspruchsvollste, aber nicht die gef\u00e4hrlichste. Wer selbst schreibt, hat den Preis daf\u00fcr bezahlt, es zu verstehen. Das Risiko sitzt auf der mittleren Stufe. Dort wird ein Ergebnis erzielt, ohne dass jemand nachvollziehen kann, wie es zustande kommt \u2013 und damit f\u00e4llt der Soll-Ist-Vergleich weg. Wer nicht wei\u00df, was passieren soll, kann nicht erkennen, dass etwas anderes passiert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lernkosten verschwinden dabei nicht. Sie wandern nur: aus der Lernzeit in die Wartbarkeit. Sichtbar wird das erst Jahre sp\u00e4ter, wenn jemand anderes den Fehler suchen soll.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau hier wird es aktuell. Ein Code generierender KI-Assistent wird gern als das Werkzeug beschrieben, das die Programmierschwelle endg\u00fcltig einrei\u00dft. Nach dieser Lesart tut er etwas anderes: Er hebt die Schreibschwelle nicht auf, er verbreitert die Auffahrt auf die mittlere Stufe. Ergebnis ohne erzwungenes Verst\u00e4ndnis, in gr\u00f6\u00dferem Umfang und schneller als vorher. Das Wartbarkeitsproblem wird dadurch eher gr\u00f6\u00dfer.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist kein Argument gegen Low-Code und keins gegen Assistenzsysteme. Es ist eher ein Vorschlag, worauf man schauen sollte, wenn man beides einf\u00fchrt: nicht darauf, wie viel Code jemand schreibt, sondern darauf, ob irgendjemand den Code erkl\u00e4ren kann, der dort l\u00e4uft.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">Leseempfehlungen<\/h3><ul class=\"wp-block-list\"><li>Alexander C. Bock, Ulrich Frank: <em>Low-Code Platform<\/em>, Business &amp; Information Systems Engineering 63(6), 2021 \u2013 kurz, pointiert, und mit dem Befund, dass Low-Code eher ein Marketinglabel als ein tragf\u00e4higer Fachbegriff ist. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s12599-021-00726-8\" rel=\"noopener\">doi.org\/10.1007\/s12599-021-00726-8<\/a><\/li><li>Gerhard Fischer, Elisa Giaccardi, Yunwen Ye, Alistair Sutcliffe, Nikolay Mehandjiev: <em>Meta-design. A manifesto for end-user development<\/em>, Communications of the ACM 47(9), 2004 \u2013 \u00fcber zwanzig Jahre alt und immer noch der beste Text zu der Frage, warum Fachleute ihre Werkzeuge selbst formen sollten. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1145\/1015864.1015884\" rel=\"noopener\">doi.org\/10.1145\/1015864.1015884<\/a><\/li><li>Hans van Vliet: <em>Software Engineering. Principles and Practice<\/em>, Wiley, 3. Auflage 2008 \u2013 f\u00fcr den \u00dcberblick, wie Abstraktion und Wiederverwendung im Entwicklungsprozess eingesetzt werden und welche Prozessmodelle es daf\u00fcr gibt. <a href=\"https:\/\/www.cs.vu.nl\/~hans\/SEbook.html\" rel=\"noopener\">Begleitseite des Autors<\/a><\/li><\/ul><p class=\"has-small-font-size wp-block-paragraph\"><em>Dieser Text geht auf eine Seminararbeit zur\u00fcck, in der ich mich mit Low-Code-Entwicklung durch Nicht-Programmierer besch\u00e4ftigt habe. Was hier steht, ist meine Einordnung aus Literatur und Gespr\u00e4chen \u2013 keine belastbare Studie, und die Beispiele sind bewusst allgemein gehalten.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht das Schreiben von Code ist die Trennlinie, sondern das Verstehen. Warum Copy-and-paste gef\u00e4hrlicher ist als selbst schreiben &#8211; und was KI-Assistenten daran \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"0","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[30,36,35],"class_list":["post-247","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fachliches","tag-it-sicherheit","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-low-code"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/247","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=247"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/247\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":265,"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/247\/revisions\/265"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/doranurban.de\/portfolio\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}